Babys und Kleinkinder können Gewalt auf unterschiedliche Weise erfahren:

Direkte Gewalt

  • Körperliche Gewalt (z. B. Schlagen, Schütteln, grobes Anfassen)
  • Psychische Gewalt (z. B. Anschreien, Einschüchtern, wiederholte Zurückweisung)
  • Sexualisierte Gewalt (z. B. sexuelle Handlungen in Anwesenheit des Kindes oder sexuelle Ausbeutung)
  • Vernachlässigung grundlegender Bedürfnisse (z. B. Nahrung, Schutz, medizinische Versorgung, emotionale Zuwendung)

Indirekte Gewalt

  • Miterleben von Gewalt zwischen Eltern oder anderen Bezugspersonen
  • Aufwachsen in einem Klima von Angst, Kontrolle oder ständiger Bedrohung

Auch wenn Babys noch nicht verstehen, was geschieht, reagieren sie sehr sensibel auf Spannungen, Stress und Angst.

Warum sind die ersten Lebensjahre besonders sensibel?

In den ersten Lebensjahren entwickeln sich Bindung, Stressregulation und ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit. Kinder lernen mit Belastungen umzugehen – im Zusammenspiel mit feinfühligen und verlässlichen Bezugspersonen.

Schon während der Schwangerschaft reagieren ungeborene Kinder sensibel auf starken und anhaltenden Stress. Nach der Geburt kann chronischer Stress oder dauerhafte Angst – besonders ohne ausreichende Unterstützung – die emotionale und körperliche Entwicklung beeinträchtigen.

Mögliche Anzeichen von Belastung sind:

  • starke Unruhe oder ungewöhnliche Ängstlichkeit
  • Schlaf- und Essprobleme
  • extremes Klammern oder Rückzug
  • Entwicklungsverzögerungen

Wichtig: Mit frühzeitiger Unterstützung und stabilen Bezugspersonen können Kinder belastende Erfahrungen gut verarbeiten. Je früher Hilfe einsetzt, desto besser sind die Entwicklungschancen.

Folgen von Gewalt für Babys und Kleinkinder

Gewalt – direkt oder indirekt – kann die Entwicklung erheblich belasten.

Mögliche Auswirkungen:

  • Körperliche Beeinträchtigungen
  • Emotionale und psychische Belastungen
  • Schwierigkeiten in der Bindungsentwicklung
  • Probleme in der Stressregulation

Früh erlebte Gewalt kann langfristige Folgen haben. Gleichzeitig gilt: Kinder sind entwicklungsfähig und resilient. Mit stabilen Bezugspersonen und professioneller Unterstützung können sie Sicherheit und Vertrauen wieder aufbauen.

Was kannst du selbst tun?

Wenn du selbst Gewalt erlebst und dir Sorgen um dein Kind machst. Du bist nicht alleine. Hilfe zu holen ist kein Versagen oder Schwäche – sondern ein wichtiger Schritt zum Schutz deines Kindes und zu deinem eigenen Schutz.

Bei akuter Gefahr: Polizei 117

Unterstützungsmöglichkeiten und Beratung erhältst du z. B. bei

  • Mütter- und Väterberatung  Kanton Bern (031 552 16 16)
  • Regionale Sozialdienste
  • Opferberatungsstellen
  • Frauenhaus oder Männerhaus (Schutz und Unterkunft)
  • KESB

Eltern haben das Recht und die Verantwortung, ihre Kinder zu schützen. Fachstellen unterstützen sie dabei, sichere Lösungen zu finden.

Viele Eltern haben Angst, dass eine Meldung automatisch zu einer Fremdplatzierung führt. Das ist nicht das Ziel! Im Vordergrund steht immer der Schutz des Kindes und die Unterstützung der Familie. Eine Platzierung ausserhalb der Familie erfolgt nur in Ausnahmefällen, wenn keine andere sichere Lösung für das Kind möglich ist.

Wenn du Gewalt gegenüber einem Baby oder Kleinkind vermutest oder beobachtest

> Bei akuter Gefahr: sofort Polizei 117 anrufen.

> Beobachtungen ernst nehmen (z. B. Verletzungen, starke Angst, deutliche Entwicklungsauffälligkeiten).

> Fachstellen kontaktieren, um das weitere Vorgehen zu klären, z. B. :

  • Mütter- und Väterberatung  Kanton Bern (031 552 16 16)
  • Opferhilfe 142
  • Sozialdienst
  • KESB

Auch Unsicherheiten dürfen angesprochen werden. Fachpersonen klären sorgfältig ab und prüfen, welche Unterstützung sinnvoll ist.

Wo findest du Hilfe?

Im Notfall: Polizei 117

Beratung und Unterstützung:

  • Mütter- und Väterberatung  Kanton Bern: telefonisch oder per Chat unter 031 552 16 16 sowie E-Mail-Beratung
  • Opferhilfe-Beratungsstellen
  • Berner Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt
  • Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kinder
  • Männer- und Väterhaus Kanton Bern
  • #withyou – Digitale Beziehungsgewalt

Weitere Angebote

Gemeinsam – zum Schutz der Kleinsten:

Inselspital-MVB